Hartz IV Möbel
Aus einem Brett: Der 24 Euro Sessel ist ein Selbstbau-Möbel, das 24 Euro kostet und in 24 Stunden gebaut werden kann. Die Idee: Vielen Menschen Zugang zu zeitloser und hochwertiger Gestaltung ermöglichen. Der Sessel ist Teil der Hartz IV Möbelserie. Kaufen kann man diese nicht, da der Prozess des Selbstbauens entscheidend ist. Inspiriert durch die Klassiker der Moderne hat ihn ein ehemaliger Hartz IV Empfänger in der Volkshochschule entworfen. Die VHS bietet mittlerweile 24 Euro Sessel Baukurse an. Den Bauplan gibt's gratis.

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In Dachau hat sich ein Chor gegründet, in dem Arbeitslose mit Menschen aus Wohlfahrt und Verwaltung singen. Ihr Name: hearts-4-people-singers.
"Bo-bo Ma-le, Shu-shu-maya", hallt es durch den Raum. Vor einem Jahr haben Sozialarbeiter und von Armut betroffene Menschen in der reichen Stadt Dachau einen Chor gegründet. Dieser Chor dürfte einer der ganz wenigen in Bayern sein. In München gibt es noch das Hartz-IV-Orchester. Hartz IV, damit wird häufig Armut oder Versagen assoziiert. Was dabei leicht vergessen wird, sind die Menschen dahinter.
Wir haben gemerkt, die Leute brauchen noch etwas anderes, um sich wertvoll zu fühlen", sagt Irmgard Wirthmüller vom Dachauer Caritas-Zentrum. Existenzsicherung finde nicht nur im Materiellen statt, Existenzsicherung braucht auch die Seele. Denn häufig seien von Armut betroffene Menschen auch gesellschaftlich ausgegrenzt. In diesem Chor soll nicht erkennbar sein, wer zu welcher Gruppe gehört. Er besteht zur Hälfte aus Mitarbeitern von Wohlfahrtsverbänden und Behörden wie Arge oder Arbeitsamt. Auch damit sollen Vorurteile abgebaut werden. Menschen können aus verschiedensten Gründen von Armut betroffen sein. "Es reicht manchmal schon, wenn jemand alleinerziehend ist und der Ex-Partner keinen Unterhalt zahlen kann", sagt Wirthmüller. (Eine echt schöne Idee)

Selbstversuch: Mein Monat mit Hartz 4
Als Sebastian Pantel im September 2010 zur Bank ging, um sich 364 Euro auszahlen zu lassen, da wusste er noch nicht, was ihn erwarten würde. Er hatte nur eine Idee. Die Reportage seines Selbstversuchs…
Sie war mir beim Frühstück gekommen, als ich wieder einmal einen Text über den Streit las, der gerade über fünf Euro mehr oder nicht für Hartz-IV-Empfänger durch die Republik wogte.
Politiker stritten miteinander, Sozialverbände protestierten, Experten sprachen sich für und wider die Erhöhung aus. Nur eine Gruppe blieb still, weil sie nicht gefragt wurde: Die Hartz-IV-Empfänger selbst.
Meine Idee war einfach: Ich wollte einen Monat selbst von Hartz IV leben. Und ich wollte darüber mit Hartz-IV-Empfängern in Kontakt kommen und über ihr Leben schreiben, ihre Erfahrungen, ihre Gefühle.
Hartz 4 – Monat wurde Achterbahnfahrt

Lübeck: Hartz-IV-Empfänger will Pfändung beim Jobcenter erwirken
Ein Hartz-IV-Empfänger aus Ostholstein will mit Hilfe eines Gerichtsvollziehers seine Bezüge vom Jobcenter eintreiben lassen und hat dazu einen Antrag auf Vollstreckung beim Lübecker Sozialgericht gestellt. Im Vorfeld hatte ihm das Gericht bei einer Klage gegen eine Mittelkürzung Recht zugesprochen.
Dem 47-jährigen Mann wurden durch das Jobcenter die Bezüge gekürzt, weil er eine Arbeitsmaßnahme beendete. Er begründete dies damit, dass in der Arbeit nur im Internet gespielt werde. Daraufhin verließ er die Maßnahme kurzerhand.
Das Jobcenter schuldet dem Mann nun eine Nachzahlung von insgesamt 2.100 Euro, die trotz der einstweiligen Anordnung des Sozialgerichtes nicht bezahlt wurden. Die laufenden Hartz-IV-Bezüge übernimmt das Jobcenter seit dem Urteil wieder. Eine aufschiebende Wirkung des Urteils bestreitet das Jobcenter.

Pech gehabt
Zu den beschaulichen Weihnachtstagen gab es heute eine feine Aktion in der seit einigen Monaten neu eröffneten Biocompany in der Sonnenallee (Berlin-Neukölln) zu Armut und Reichtum, die sich auch im Kühlschrank bemerkbar machen. Die Eröffnung des Bio-Supermarktes ist zudem ein Symbol der Gentrification, zeigt sie doch, dass mittlerweile immer mehr besserverdienende und besseressende Menschen in das Viertel ziehen.
Heute, am Samstag den 17.12.2011, also kurz vor Weihnachten, dem Fest der christlichen Liebe und des Konsums, hatte unsere Neuköllner WG etwas besonderes vor: wir wollten zur seit einigen Monaten neu eröffneten BioCompany in der Sonnenallee und dort umsonst einkaufen.
Warum das ganze? Weil wir zwei Gutscheine bei uns im Briefkasten gefunden hatten, in denen uns der Filialleiter, Herr Trafara, zusagte, Waren im Wert von 5 Euro mitnehmen zu können, wenn wir zwischen 13 und 15 Uhr dort sein würden. Soziales Engagement ist ja schwer im Trend, also dachten wir uns nichts weiter dabei und zwei von uns gingen los. Den ersten 20 Kunden wurden gar Waren im Wert von 20 Euro versprochen, den ersten 100 das Buch „100 Prozent Bio trotz Hartz4“. Da auch bei uns die Essenskasse meist knapp ist, dachten wir, diese feine Geste käme gerade richtig, Containern könnte Dank dieses Kochbuchs bald überflüssig sein. Entsprechend pünktlich fanden wir uns in der Filiale ein und waren nicht die einzigen, verschiedenste Anwohner_innen waren gekommen: das Geschäft war ungewöhnlich voll und kurz vor 13 Uhr entstand eine längere Schlange an den Kassen.
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Arbeitslose in der CDU
Katrin Jona war arbeitslos, als sie in die CDU eintrat. Ungewöhnlich. Denn Hartz-IV-Empfänger haben kaum eine Lobby in der Union. Wie fühlt man sich in einer Partei, die sich beim Parteitag ums soziale Profil streitet?
Es war ihr großer Auftritt, doch der Erfolg hielt sich in Grenzen. So sieht das Katrin Jona im Nachhinein. Vor drei Wochen beim Mitgliederabend stand die Berlinerin, 43, seit 2008 in der CDU, in der voll besetzten Messehalle auf. Entschlossen ging sie zum Mikrofon und sagte Angela Merkel, dass sie ihre Freude über den Fortschritt im Land leider nicht teilen könne. Schließlich gebe es in Deutschland noch genügend Menschen, die keine echte Chance im Leben hätten. Und dann? «Ich erinnere mich eigentlich nur noch an Gelächter», sagt Katrin Jona.
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In Marzahn spielen Hartz-IV-Empfänger ehrenamtlich Theater.
Puppen-Bühne statt Jobcenter, Kasperle statt Sachbearbeiter. Weil sie keine Lust hatten, zu Hause auf der faulen Haut zu liegen, gründeten Marzahner Arbeitslose eine eigene Puppentheatergruppe.
„Kennengelernt haben wir uns über die Jahre in verschiedenen Maßnahme-Projekten und bei diversen Ein-Euro-Jobs“, erklärt Günter Els (60), der die Idee zu der ungewöhnlichen Theater-Gründung hatte. „Wir wollten einfach mal wieder etwas Sinnvolles machen“. Der Malermeister ist seit 10 Jahren arbeitslos, war davor Ausbilder. Zweimal ist das Laien-Team derzeit pro Woche am Proben, unter Anleitung des einzigen Theater-Profis.
Puppenspiel ist alles eine Frage der Laufwege
Robert Schulz (42) ist Schauspieler und im Moment ebenfalls ohne Engagement: „Wichtig ist, nicht zu viel mit der Puppe zu machen und nicht zu sehr rumzuhampeln. Dann lernt man das ganz schnell“, erklärt er die Geheimnisse.
Der Rest ist wie beim Fußball: eine Frage der Laufwege: „Man muss doppelt aufpassen“, sagt Els, „hinter der Bühne dürfen sich die Spieler nicht behindern und vorne die Figuren nicht in die Quere kommen.“ Ein erstes Stück („Der Aufräumräuber“) hat die Truppe bereits, eine Bühne wurde ebenfalls gezimmert: „Die ist mobil, passt in einen Kombi“, erklärt Els, „denn wir wollen überall dort spielen, wo wir willkommen sind“.
Interessenten zum Mitspielen sind jederzeit willkommen. Außerdem sucht die Gruppe noch vier Funk-Headsets, einen Fahrer samt Auto und einen kleinen Probenraum. Kontakt: Günter Els, Tel: (030)47985882.