Clever macht Spaß

Förderprogramm für Grundschüler_innen im Kinderclubhaus Dammweg.

Im Spätsommer wurde im Kinderclubhaus Dammweg ein Projekt ins Leben gerufen, das einen großen und lang bestehenden Bedarf im Kiez entsprach. Schon lange wünschten sich die Eltern für ihre Kinder ein kostenloses Nachhilfeangebot; diesem Wunsch konnten wir jetzt mithilfe von Fördermitteln aus dem Quartiersfond II nachkommen. Das altbekannte Modell einer „gewöhnlichen“ Nach-und Hausaufgabenhilfe entsprach dabei aber nicht ganz unseren Vorstellungen und Ideen. Wir wollten etwas konzipieren, das weiter reichte und die Kindern neben der Vermittlung von explizitem Wissen, ganzheitlich und nachhaltig in ihrem Lernkompetenzen fördert. Über den Zeitraum der Unterrichtsstunden hinaus, sollte ihnen eine Haltung zum Thema Lernen und Bildung vermittelt werden: Wissen ist ein großes spannendes Abenteuer! Und der Prozess des Lernens ist aufregend und unterhaltsam und kann überall und zu jeder Zeit stattfinden! Das entwickelte Konzept ermöglicht es den Schüler_innen sowohl intensiv, als auch „ganz nebenbei“ zu lernen und unterstützt sie dabei, ihre eigenen Lernstrategien zu entwickeln. Wir stellen vor: „Clever macht Spaß“ ein Lernförderprogramm für Grundschüler_innen im Kinderclubhaus Dammweg.


Konzept und Umsetzung

Das Projektteam, das aus drei Honorarkräften des Kinderclubhauses bestand, sind Studentinnen aus verschiedenen Fachrichtungen und brachten neben langjähriger Erfahrung im Unterrichten, ihre ganz persönliche Leidenschaft für Kunst, Kultur und Wissenschaften mit. Sie konnten es kaum erwarten, ihre eigene Freude am Lernen und Entdecken an die Kinder weiter zu vermitteln. Gemeinsam wurden drei verschiedene Module entwickelt, die zum einen dem Programm einen Rahmen und Struktur gaben, zum anderen sollte der Aufbau den Kindern genügend kreativen Raum lassen, sich ohne Leistungsdruck und mit viel Eigeninitiative unterschiedlichsten Themen zu nähern und dabei effektiv zu lernen.


Modul 1- Lerngruppen und Förderkurse

In kleinen Gruppen werden die Teilnehmer_innen durch Nachhilfeunterricht und Hausaufgabenhilfe in konkreten Bereichen unterstützt und gefördert. Der Unterricht wird zum Teil interaktiv und mit alternativen Lehrmethoden durchgeführt. Es gibt eine spezielle Sprach- und Leseförderung und eine Fördergruppe für Erst-und Zweitklässler_innen, bei der frühzeitig die Motorik, Schreibkompetenzen und Konzentrationsfähigkeiten weiter ausgebildet werden.


Modul 2- Projekttage

In separaten Unterrichtseinheiten und offenen Gruppen, werden verschiedene wissenschaftliche Themen praxisorientiert und interaktiv vermittelt (Anschauungs- und Experimentalunterricht, Materialkunde in der freien Natur, Kreativ – Workshops, eine Schreibwerkstatt, Lesungen von und für Kinder, etc.). Durch diese Erfahrungen werden alternative Zugänge geschaffen und individuelle Lernstrategien entwickelt. Vor allem werden bei den Kindern die Lust und der Spaß an Bildung geweckt.


Modul 3- Exkursionen

Ein weiterer Bestandteil des Lernkonzeptes sind die Exkursionen zu unterschiedlichen öffentlichen Bildungsstätten, wie Bibliotheken, Ausstellungen, Museen, Naturplätze, usw. Die Kinder werden darauf aufmerksam gemacht, welche Möglichkeiten vorhanden sind, sich außerhalb des Schulunterrichts auf anschauliche Art und Weise mit Themen zu beschäftigen und persönliche Schwerpunkte und Interessen eigenständig zu vertiefen. Die Resonanz auf das Angebot war sehr groß. Die Lerngruppen waren nach kürzester Zeit ausgebucht, trotzdem kamen immer mehr Anfragen, so dass Wartelisten angelegt wurden. Der Bedarf bei den Eltern nach Austausch und Kommunikation über das Thema Schule, Lernen und Integration war so groß, dass lange Vorgespräche geführt wurden. Die Projektleiterinnen bauten auf diese Gespräche auf, um Inhalte und Lehrmethoden so weit anzupassen, dass sie auf die individuellen Bedürfnisse jedes Schülers eingingen und trotzdem ein gemeinschaftliches, effektives Lernen möglich machten.


Die Lerngruppen und Förderkurse

Die einzelnen Kurse konnten von bis zu sieben Kindern belegt werden. Es wurden folgende Angebote offeriert:

  • Lernhilfekurse für das Fach Deutsch für Schüler_innen von der 2. bis zur 5. Klasse
  • Lernhilfekurse für das Fach Englisch für Schüler_innen der 3. bis zur 5. Klasse
  • Lernhilfekurse für das Fach Mathematik für Schüler_innen der 3. bis zur 5. Klasse

Aus den Vorgesprächen ging hervor, dass viele Kinder mit ganz speziellen Defiziten zu kämpfen haben, auf die im Rahmen des Klassenunterrichts nicht immer ausreichend eingegangen werden kann. Auffällige Konzentrationsschwierigkeiten oder ausgeprägte Lese- und Rechtschreibschwächen sind ein großes Thema in allen Klassenstufen. Eine weitere Problematik sind häufig fehlende sprachliche Grundkenntnisse. Kinder von Familien, die erst seit Kurzem in Deutschland leben, können teilweise kaum deutsch sprechen. Die Folge sind erhebliche Schwierigkeiten, dem Unterricht zu folgen und sich in die Klassengemeinschaft zu integrieren. Viele Eltern berichteten von ihren Sorgen und dem Leidensdruck unter dem ihre Kinder aufgrund ihrer schulischen und sozialen Schwierigkeiten stünden. Das Projektteam wollte auf den individuellen Förderbedarf dieser Kinder eingehen und modifizierte die Kursplanung. Neben den Lerngruppen wurden drei spezielle Förderkurse konzipiert und eingerichtet:

  • Training der Feinmotorik und Förderung der Konzentrationsfähigkeit für 1.- und 2.- Klässler_innen
  • Sprachförderung für Kinder mit Deutsch als Fremdsprache
  • Intensivkurs Lesen

Sowohl in den Lerngruppen, als auch in den Förderkursen stand für die Lehrenden die Kernaussage des Clever-Konzeptes immer im Mittelpunkt. Kein Frontalunterricht, dafür aktive Mitgestaltung bei der Entwicklung von Lernstrategien, Kreativität und Eigeninitiative! Die Leiterinnen der jeweiligen Kurse nutzten für die Umsetzung ganzheitlichen Lernens, Methoden aus der Kunst, -Theater, -Erlebnis, und Kulturpädagogik; aus der Logopädie (Stimm,- Sprech- und Sprachübungen, Atem,- und Entspannungstechniken) und Methoden aus dem praktischen Bereich des interkulturellen Lernens.


Die Projekttage

Bei der Umsetzung der Projekttage, die einmal in der Woche stattfanden, konnte das freie und kreative Lernen noch stärker in den Mittelpunkt gestellt werden. Die Gruppen waren hier größer und offen. Die Themen und Inhalte kamen aus den unterschiedlichsten Fachbereichen: es gab eine Pflanzenschatzsuche im Märchenpark, bei der die Kinder heimische Gewächse bestimmen konnten; eine Lexikon- Nachschlagewerk-Schnitzeljagd, bei der die Antworten auf spannende wissenschaftliche Fragen und Geheimnisse zu einem verborgenen Schatz führten; beim Mikroskopieren wurden allerhand Elemente unter die Lupe genommen; wir feierten einen Projekttag lang gemeinsam das oft so unterschätzte Prädikat und würdigten an einem anderen die besonderen Eigenschaften des Wassers. Physikalische Experimente zum Mitmachen faszinierten die Kinder genauso, wie eine anschauliche Reise durch das Sonnensystem bei einer eindrucksvollen Power Point Präsentation, die gleichzeitig die Vorteile digitaler Medien beim wissenschaftlichen Arbeiten vermitteln sollte. Im Mittelalter-Quiz „Genial daneben!“ lernten wir Erstaunliches und auch Lustiges über das Alltagsleben einer anderen Zeit und beim Projekttag „Kulturspuren“ setzten wir bei einem Rückblick durch die Kulturgeschichte die bunte Brille der Kunst und Malerei auf….


Die Exkursionen

Eine weitere Besonderheit des Konzeptes von „Clever macht Spaß“ waren die Exkursionen als fester Bestandteil der Lehr- und Lernmethode. Bildung findet nicht nur in den Klassenräumen statt, sie ist überall! Nahezu an jedem Ort kann man etwas Neues erfahren und mit allen Sinnen entdecken. Auf diese vermeintlich kleine Erkenntnis wollte das Projekt die Teilnehmer_innen aufmerksam machen, und das ist auch gelungen: ob wir auf der Wiese zwischen den Häusern unter einen Stein schauten oder vor einem riesigen Meteoriten in der Sternwarte standen; ob wir in der Bibliothek um die Ecke die Vielfalt von Büchern und Geschichten entdeckten oder im Gripstheater verzaubert verfolgten, wie auf einer Bühne eine Geschichte zum Leben erweckt wurde,- unsere Augen waren jedes Mal staunend aufgerissen, die Ohren gespannt gespitzt und das Gehirn lief auf Hochtouren! Vor allem hatten wir immer Spaß!


Was ist das Besondere an „Clever“?

Was unterscheidet „Clever macht Spaß“ von anderen Nachhilfekonzepten? Zunächst mal darf die Wirkung des Raumes auf den Lernprozess nicht unterschätzt werden. Die Kinder verbinden mit dem Kinderclubhaus vor allem Freizeit und Vergnügen; das Lernen gestaltet sich durch diese Assoziation grundsätzlich zwangloser und nimmt ihnen den Leistungsdruck, den sie oft in der Schule oder im Einzelunterricht empfinden. Die Verknüpfung von Freizeit und Lernen wird auch in der Lehrmethode genutzt. Die Vermittlung von Wissen wird hier, soweit es möglich ist, mit schönen und unterhaltsamen Aktionen verbunden und einer freien Kommunikation miteinander. Die Lerngruppen sind klein genug, um ganz individuell auf jedes einzelne Kind einzugehen und trotzdem sind die Teilnehmer_innen dazu aufgefordert innerhalb einer Gruppe einen Konsens zu finden, sich sozial zu verhalten und Initiative zu zeigen: weitere Kernkompetenzen, die hierbei gefördert werden. Vor allen in den Modulen 2 und 3 sind die Kinder zum interaktiven Unterricht aufgefordert. Durch die praktischen und spielerischen Aktionen findet ein kognitives Lernen statt, bei dem sich die Schüler_innen selbstständig und fachübergreifend Sinn-und Wissenszusammenhänge erschließen können. „Clever macht Spaß“ zielt auf eine dauerhafte Förderung ab, d.h. die Kinder sollen hier die Unterstützung bekommen, sich eigenständig individuelle und deshalb effektivere Lernstrategien zu erarbeiten. Ein wichtiger Aspekt in diesem Konzept ist das Erlangen von Kenntnissen über wissenschaftliche Hilfsmittel und deren Anwendung, ebenso wie Medienkompetenz und die Fähigkeit, erlangtes Wissen schriftlich und sprachlich wiederzugeben. Die Ausbildung und Förderung all dieser Kompetenzen sind sehr wichtig für die höheren Anforderungen des Oberschulunterrichts, allerdings bleibt bei der Arbeit im großen Klassenverbund oft nicht genügend Zeit, sich dem ausführlich zu widmen. Hier noch einmal die wichtigsten Inhalte des Lehr- und Lernkonzeptes von „Clever macht Spaß“ zusammengefasst und im Überblick: 

Implizites/ kognitives Lernen und Aneignen von Fähigkeiten: (z.B. Sprache, Rechtschreibung und Grammatik, zusammenhängendes und fachübergreifendes Denken, soziales Verhalten, Eigeninitiative, Eigenständigkeit, Aufgeschlossenheit, motorische Fähigkeiten, Konzentrationsfähigkeiten, etc.)

Förderung der Selbstlernkompetenz: Selbstreguliertes Lernen und Handeln, zielorientiertes Lernen, Fähigkeit eigene Lernmethoden zu entwickeln)

Förderung der Lernmethodenkompetenz: Ausbau der Fähigkeit, Strategien zu entwickeln, eine Fülle von Informationen nach Priorität sortieren und in den größeren Zusammenhang einzuordnen, effektives und zielgerichtetes zu lernen

Förderung der Medienkompetenz: Überwindung von Schwellenängsten und Ausbau der Fähigkeit im Umgang mit Hilfsmitteln, wie z.B. wissenschaftlichen Texten, Recherche in Bibliotheken, Suchmaschinen und Internetportalen, etc.)

Alternativer Lernorte und Bildungsstätte: (z.B. Bibliotheken, Museen, öffentliche Plätze und Orte, kindgerechte Angebote, etc.)

Förderung der Reflexivität: Ausbau der Beobachtungs- und Analysekompetenzen und der Fähigkeit, Zusammenhänge zwischen theoretischem Wissen und praktischer Anwendung herzustellen

Vermittlung von explizitem Wissen: Unterstützung bei Inhalten des aktuellem Lehrplans und der Hausaufgaben


Wie geht es weiter

„Clever macht Spaß“ sollte eine dauerhafte Institution und Ergänzung zum Schulunterricht sein. Der Bedarf an einem kostenlosen Lern- und Nachhilfeangebot im Einzugsgebiet der Köllnischen Heide ist sehr groß. Gerade in sozialen Brennpunkten fehlt den Kindern oft der Zugang zu Bildung und Wissen außerhalb des Lehrplanes. Dabei sind es gerade Eigeninitiative und die persönliche Lust am Lernen, die das Bildungspotential Heranwachsender steigert. Die Fähigkeit, sich eigene Strategien zu entwickeln, Themen zu erfassen und Zusammenhänge zu verstehen bestimmen zu einem großen Teil den Schulverlauf der Kinder auf den Oberschulen und in der Ausbildung mit. Durch den Erfolg von „Clever macht Spaß“ und die große Resonanz von Schüler_innen, Eltern und Lehrer_innen, konnte der bestehende Bedarf explizit und deutlich gemacht werden. Aus diesem Grund konnten wir eine Neufinanzierung des Projektes, zunächst bis Ende des Jahres 2014 realisieren. Wir freuen uns auf viele weitere spannende Momente mit unseren cleveren Kids!